
LeseArt - Literatur live
Das Projekt LeseArt veranstaltet Lesungen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Literatur. Das geschriebene Wort als Ausdruck von Kreativität findet hier seinen Platz. In Autorenlesungen sowie in szenischen Lesungen werden Gegenwartsliteratur und Klassiker in Prosa und Lyrik vorgestellt. Aufgegriffen werden auch aktuelle Themen der kulturellen Einrichtungen der Stadt, wie Theater, Kunsthalle, Hochschule für Künste und Musik. Literatur in ihrer unendlichen Vielfalt erleben und genießen, fremde Texte auf sich einwirken lassen und anschließend miteinander ins Gespräch kommen.
Text von www.swb-gruppe.de
Hier die aktuellen Termine bis Jahresende 2011
Donnerstag, 01. September 19:00 Uhr
Volker Weidermann über Max Frisch
“Wir kennen Max Frisch, wenn wir seine Bücher kennen. Wir kennen seine Frauen und sein Leben, sein Unglück und sein Glück. Und in Wahrheit kennen wir natürlich nichts.”
Weil das so ist, brauchen wir einen, der in seinen Büchern zu Hause ist und sich in sein Leben hineingearbeitet hat.
Volker Weidermann hat sich an die Recherche gemacht, Archive durchstöbert, Weggefährten getroffen, Gespräche geführt und vor allem gelesen: die großen Romane, wie “Biedermann und die Brandstifter”, “Stiller” und “Homo Faber”, die Theaterstücke, die frühen Texte, die Briefe, die Tagebücher. Und dann geschrieben, voller Zuneigung und doch genau und kritisch, lebendig und anschaulich, so dass sich ein facettenreiches und faszinierendes Bild ergibt. Das Leben eines vom Erfolg verwöhnten, eines positiv Engagierten, eines großen Liebenden, eines trotz allem mit dem Leben Hadernden – das Leben eines der besten Schriftsteller deutscher Sprache des letzten Jahrhunderts. Und wir sind dabei, in den Büchern und in seinem Leben, bei ihm – dank seines begeisterten Biographen.
Volker Weidermann ist Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dessen Feuilleton er seit 2002 leitet.
Donnerstag, 20. Oktober, 19:00 Uhr
Christian Bergmann liest Fürst Pückler: Reisen früher
Der angebliche Erfinder der Eisspezialität war nicht nur visionärer Landschaftsgärtner, sondern auch Essayist und Reiseschriftsteller, der Algier, Tunis, Alexandria, Damaskus, den Sudan, Jerusalem und Konstantinopel bereiste.
Fürst Pückler ist bis heute als – angeblicher – Erfinder einer Eisspezialität aus Vanille, Erdbeere und Schokolade bekannt, die - mit Maraschino verfeinert - sich immer noch großer Beliebtheit erfreut.
Hermann Fürst von Pückler-Muskau war nicht nur ein visionärer Landschaftsgärtner. Seine Weiterentwicklung des “englischen Parks” machte ihn international berühmt. Der Landschaftspark in Muskau zählt bis heute zu den besonderen Höhepunkten der Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert in Europa.
Und er war auch ein geistvoller Essayist und Reiseschriftsteller, der die Grenzen Europas überschritten und mit viel Witz und Gespür für Details aus seinen Reisen berichtet hat. Im Januar 1835 brach der rastlose Fürst zu einer Reise auf, die ihn nach Algier, Tunis, Alexandria, in den Sudan, nach Jerusalem, Damaskus und Konstantinopel führte. Diese Reise dauerte fast fünf Jahre.
Aus den abenteuerlichen Berichten des weltkundigen Fürsten liest der Schauspieler Christian Bergmann.
Donnerstag, 17. November, 19:00 Uhr
Markus Schrader über Kleist
Bilder des Himmels und der Hölle. “Das Erdbeben in Chili” und seine Vision einer anderen Welt.
Was ist Glück? Wie entsteht es – was verhindert es? Wird die Welt durch ein höheres Wesen oder Prinzip bestimmt und wie beeinflusst der Glaube an dieses Höhere das Handeln von Menschen? Welche Verantwortung hat der Einzelne für das Geschehen in der Welt?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Novelle über Jeronimo und Josephe. “Das Erdbeben in Chili” zeigt in besonderer Weise Kleists Sicht auf das Verhalten der Menschen und gibt gleichzeitig einen Eindruck von seinem Gegenentwurf. Im Mittelpunkt steht der handelnde Mensch, der durch seine Entscheidungen und sein Tun den Himmel oder die Hölle schaffen kann. Diese letztlich konsequent moderne Sicht – mit der Kleist seiner Zeit weit voraus war – wird von ihm mit großer Sprachkraft gestaltet.
Markus Schrader ist Koordinator und Juryvorsitzender des Bremer Literaturpreises für Kinder und Jugendliche.
Donnerstag, 08. Dezember, 19:00 Uhr
Dr. habil. Ingelore Ebberfeld: Vom Kuss und Küssen
Einstmals wurden Küsse als Brandkugeln der Unzucht bezeichnet, als giftige Schlangenbisse der Seele. Ein geraubter Kuss war dazumal keineswegs harmlos und noch heute werden Küsse in manchen Gegenden dieser Welt geahndet.
So selbstverständlich uns der Kuss inzwischen in unserer Kultur erscheint - den ersten Kuss im Leben vergisst man doch niemals.
Das Küssen sei uns nicht in die Wiege gelegt worden, wohl aber die Lust an der Berührung, behauptet Charles Darwin. Sigmund Freud meinte hingegen, das Küssen käme vom Saugen an der Mutterbrust. Schließlich sind da noch jene, die die Kusslust auf die Brutpflege zurückführen. Diesen Annahmen kann man glauben. Sie haben nur einen Haken: Nicht alle Menschen haben mit dem Mund geküsst und noch immer ist manchen Menschen diese Geste fremd.
Die Kulturanthropologin und Sexualwissenschaftlerin Dr. habil. Ingelore Ebberfeld lebt und arbeitet in Bremen.
www.swb-gruppe.de | SWB Kundencenter, Am Wall/Sögestraße
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