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Neue Veranstaltungsreihe “1 Euro-Jobs: Kritische Perspektiven!”

veröffentlicht:
9. Feb 2010
von: Sonja

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Bild (c) Dieter Schütz / PIXELIO.de

Veranstaltungsreihe “1 Euro-Jobs: Kritische Perspektiven!” Vorträge - Diskussion - Autorengespräch

Die Initiative DenkRÄUME e.V. startet eine neue Veranstaltungsreihe zur Diskussion des arbeitsmarktpolitischen Werkzeugs 1-Euro-Jobs. Es geht um gesellschaftliche Auswirkungen, juristische Probleme sowie politische und ökonomische Hintergründe.

Kontakt:
DenkRÄUME e.V
C/O Gregor Straube
Wähmannstraße 9
28201 Bremen

Donnerstag, 11.02., 19:00 Uhr
Kritische Perspektiven. Eine Buchvorstellung zur kritischen Auseinandersetzung mit 1-Euro-Jobs.

Autorengespräch. ReferentInnen: Peer Rosenthal (HB), Jan Gehrken (HH), Nathalie Grimm (GÖ) und Kai Marquardsen (GÖ), Christian Girschner (HB)

In der hier vorstellten Aufsatzsammlung werden verschiedene Aspekte der landläufig als 1-Euro-Job bekannten arbeitsmarktpolitischen Maßname analysiert. In der Öffentlichkeit stehen entweder arbeitsmarktpolitische Statistiken oder Fragen der „Wirksamkeit” dieses Instruments im Zentrum des Interesses. Ausgespart bleibt dabei die Perspektive der Betroffen. Die gesellschaftspolitischen und rechtlichen Implikationen von 1-Euro-Jobs werden dabei häufig ebenfalls nicht mitbedacht. Gerade angesichts der momentanen Debatte in den Medien um das „Scheitern” dieses Werkzeugs gilt es zu fragen, was für Auswirkungen mit ihm verbunden sind. Bei dieser Veranstaltung haben die anwesenden AutorInnen Bandes die Möglichkeit Ihre Arbeiten, die genau diese Lücken schließen, vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

Ort: Wallsaal der Stadtbibliothek, Am Wall 20

Angaben zu den ReferentInnen
Jan Gehrken, Rechtsreferendar in Hamburg. Jurastudium und Promotion zu rechtspolitischen Hintergründen, Entwicklung und Rechtsproblemen der 1-Euro-Jobs als Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Natalie Grimm, Diplom Sozialwirtin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung im Arbeitsbereich “Die Gesellschaft der Bundesrepublik”.

Kai Marquardsen, M.A., Studium der Soziologie, Sozialpsychologie und Kommunikationswissenschaften in Göttingen, Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung, promoviert zum Thema Arbeitslosigkeit und soziale Netzwerke.

Christian Girschner, Dr. Pol. Promovierte in Bremen über die allgemeine Weltmarktdynamik in der Marxschen Kritik der Politischenökonomie. Zahlreiche (Veröffentlichungen zur Kritik der Ricardoschen Auflenhandels- und der Dienstleistungstheorie sowie zum Neoliberalismus und kritischer Gesellschaftstheorie.

Peer Rosenthal, Diplom-Politologe (FH), Referent für Arbeitsmarktund Beschäftigungspolitik in der Politikberatung bei der Arbeitnehmerkammer Bremen, Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsmarktpolitik, Prekarisierung, Beschäftigungspolitik und Folgen aktivierender Sozialpolitik.1

Donnerstag, 25.02., 19:00 Uhr
Aktivierende Arbeitsmarktpolitik und das Verhältnis von Staat und Bürgern. ”Social Citizenship”, Hartz VI und 1-Euro-Jobs. Vortrag mit Diskussion, Referent: Peer Rosenthal

Peer Rosenthal beschäftigt sich in seinem Vortrag mit dem Verhältnis von Staat und Individuum. Sein Ansatzpunkt ist eine Verschiebung vom Solidarprinzip des klassischen Sozialstaats hin zum Konzept des aktivierenden Sozialstaats. Er ineressiert sich für die Frage was sich im Zuge der Hartz VI Gesetzgebung in diesem Verhältnis verändert hat. Rosenthal bezieht sich auf das von T. H. Marshal begründete Konzept der “Social Citicenship”. Marshals Konzept baut auf die Annahme, dass auch innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung eine gleiche und gerechte Teilhabe aller an Gemeinwesen möglich ist. Peer Rosenthal gleicht dieses Konzept mit der Hartz VI Gesetzgebung und dem Arbeitsmarktpolitischen Werkzeug 1-Euro-Jobs ab. Er kommt zu dem Schluss, dass es einen Widerspruch gibt zwischen postulierten Zielen und den konkreten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.
Ort: Kulturzentrum Paradox, Bernhardstraße 10-12

Dienstag, 02.03., 19:00 Uhr
Ein unmoralisches Angebot? Subjektive Grunde für und gegen die Annahme von 1-Euro-Jobs.
Vortrag mit Diskussion. ReferentInnen: Natalie Grimm, Kai Marquardsen

Natalie Grimm und Kai Marquardsen fragen in ihrem Vortrag nach der Bewertung von 1-Euro-Jobs durch die (potentiell) Betroffenen. Bereits im Titel legen sie das Koordinatensystem in dem sich ihr Artikel bewegt dar. Zum einen fragen sie nach der subjektiven Bewertung durch die Betroffenen. Zum anderen machen sie deutlich, dass es ihnen um eine dezidiert politische Bewertung des Werkzeugs 1-Euro-Job geht. In Ihrem Vortrag bieten sie einen Einblick in zwei empirische Forschungsprojekte, die sich mit den Auswirkungen aktueller Arbeitsmarktpolitik beschäftigen. Die ReferentInnen arbeiten vier Dimensionen heraus, die den
Hintergrund bilden, vor dem die Entscheidung für oder gegen eine 1-Euro-Job getroffen wird. Diese subjektiven Bewertungen und Beweggründe werden von den AutorInnen an normative gesellschaftlichen
Strukturen und Erwartungshaltungen rückgebunden, was wiederum den Rahmen für die politische Bewertung von 1-Euro-Jobs abgibt. Im Kern steht dabei eine Kritik an Erwerbsarbeit als zentralem sozialem Integrationsmechanismus.
Ort: Kulturzentrum Paradox, Bernhardstraße 10-12

Dienstag, 16.03., 19:00 Uhr
Zur politischen Ökonomie der 1-Euro-Jobs. Ideologische und herrschaftliche Hintergründ
Vortrag mit Diskussion. Referent: Christian Girschner

Christian Girschner bietet in seinem Vortrag eine zynische Bewertung des Arbeitsmarktpolitischen Werkzeugs 1-Euro-Job. Er ordnet 1-Euro-Jobs in die Mechanismen der Herrschaftssicherung ein, mit welchen sich die ökonomischen Eliten die Möglichkeit zur Profitabschöpfung sichern. Er legt dar, wie neoliberale Wirtschaftsideologien, in Form der freien Marktes, mit modernen Selbsttechnologien, in Form der lohnabhängig Beschäftigten als SelbstunternehmerInnen, die ihre Waren/Haut zu Markte tragen und staatlicher Arbeitsmarktpolitik ineinander greifen. Das Resultat dieser Verschränkung ist eine Unterwerfung des Individuums unter die kapitalistischen Verwertungslogik und die gleichzeitige Abschaffung der verbliebenen Schutzmechanismen gegen diese Ausbeutungsstrukturen. 1-Euro-Jobs stellen so Girschner nicht den Endpunkt dieser Entwicklung dar.
Ort: Kulturzentrum Paradox, Bernhardstraße 10-12

Dienstag, 30.03., 19:00 Uhr
Pflicht zur Annahme von 1-Euro-Jobs. Verfassungswidrig? Die Sanktionierung der Ablehnung von Mehraufwandsentschädigungsarbeit als Arbeitszwang im Sinne von Artikel 12 Absatz 2 Grundgesetz.
Vortrag mit Diskussion. Referent: Jan Gehrken

Jan Gehrken benennt zwei Möglichkeiten für Juristen sich kritische mit 1-Euro-Jobs auseinander zu setzen. Die erste ist eine möglichst fundierte juristische Unterstützung im Behördendschungel um „das Beste für die Betroffen herauszuholen”. Die zweite Möglichkeit um die es in seinem Vortrag geht, ist die Anfechtung der Verfassungskonformität der gesetzlichen Regelungen. Gehrkens Ansatzpunkt ist das Grundgesetzes in dem die freie Berufswahl und das Verbot der Zwangsarbeit festgeschrieben sind. Er fordert dem eine strenge, sowohl an die Verfassung als auch an die gesellschaftliche Entwicklung angepasste Auslegung des Arbeitszwangsverbots, welches ursprünglich zur Absicherung gegen die Zwangsarbeitsmechanismen der NS-Zeit eingeführt wurde.
Ort: Kulturzentrum Paradox, Bernhardstraße 10-12


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